Sanierung des Louise-Schroeder-Zentrums voraussichtlich Ende 2024 abgeschlossen
Corona sorgt für einige Planänderungen und Verzögerungen


Es gibt gewiss leichtere Aufgaben, als die komplette Sanierung eines Seniorenzentrums bei laufendem Betrieb, dem derzeitigen Mangel an Baustoffen und auch noch unter Einhaltung aller jeweils aktuell gültigen Corona-Schutzverordnungen: Diese Erfahrung macht derzeit Colin Becker, Einrichtungsleiter des Louise-Schroeder-Zentrums der AWO an der Katernberger Alten Kirchstraße: „Ich denke, nach den bisherigen Erfahrungen, ist der Abschluss der Maßnahmen mitsamt der Belegung der neu geschaffenen Plätze für Ende 2024 realistisch“, stellt er fest.
Gerne hätte Colin Becker schon im Frühjahr 2024 die neuen Bewohner*innen begrüßt, mit denen dann insgesamt 129 anstelle der derzeit 115 Senior*innen im „Louise“ gewohnt hätten. Jedoch funken einige Umstände der AWO und ihrer Vermieterin, Hauseigentümerin ist die Wohnungsgesellschaft Vonovia, hinein in ihren akribisch aufgestellten Bauablaufplan, die immer wieder für Unvorhergesehenes sorgen. Zusammenfassen kann man sie weitgehend unter einem Stichwort: Corona.
Doch der Reihe nach: Ende 2019 starteten Vonovia und AWO ein Sanierungsprogramm in Katernberg, das zumindest für die AWO zu den umfangreichsten der letzten mindestens 20 Jahre gehört. Dabei wird der bauliche Zustand des Objektes u.a. den Anforderungen des Wohn- und Teilhabegesetzes NRW angepasst, mehr Fläche für Gemeinschaftsangebote geschaffen, das Haus weitgehend durchsaniert, neue Verbindungswege zwischen den verschiedenen Abschnitten des Hauses geschaffen und ein moderner neuer Anbau errichtet. Sechs Bauabschnitte und insgesamt rund 10,5 Millionen Euro Investition seitens der Vermieterin gehören zu den Kerndaten dieses Mammutprojektes. AWO Geschäftsführer Oliver Kern erläutert: „Durch die Modernisierung können wir uns nicht nur an die aktuellen Vorgaben halten, sondern auch dazu beitragen, dass sich die Bewohnerinnen und Bewohner bei uns noch wohler fühlen.“ Colin Becker ergänzt: „Danach werden wir das wohl modernste Seniorenzentrum der AWO hier in Essen haben.“
Zunächst wurde der Komplex links vom Haupteingang auf allen Etagen in Angriff genommen. Weit ist man bislang gekommen. Mit der Eröffnung des neuen Anbaus auf der rückwärtigen Seite des Komplexes war der erste Bauabschnitt Mitte 2021 abgeschlossen worden. Doch danach konnte schon nicht mehr so weitergearbeitet werden, wie es ursprünglich geplant war. „Der Infektionsschutz in Sachen Corona machte es erforderlich, Bereiche in denen sich unsere Bewohnerinnen und Bewohner aufhalten, strikt von denen zu trennen, in denen sich Bauarbeiter bewegen“, erläutert Colin Becker. So zog man den dritten und den vierten Bauabschnitt vor, derzeit entstehen geräumige Doppelzimmer mit eigenem Bad ebenfalls im linken Gebäudeteil (geplante Fertigstellung Mitte 2022), daneben werden eine alte Verbindungsspange zwischen Haupt- und Nebengebäude auf insgesamt drei Ebenen zur Galerie aufgeweitet sowie eine neue und lichte Fassade für den Eingang errichtet (Fertigstellung jeweils Mai 2022). Ist man damit fertig, kann mit dem nachgeholten 2. Bauabschnitt, hier werden wieder Zimmer modernisiert und der Grundriss verändert, der linke Gebäudeteil auf insgesamt drei Geschoss-Ebenen abgeschlossen werden. Der 4. und 5. Bauabschnitt wird dann die Sanierung des rechten Gebäudeteils beinhalten, diesmal geht es sogar um eine Geschoss-Ebene mehr. Ebenfalls beinhaltet der Umbau während der gesamten Zeit auch noch die Erneuerung von Leitungen und anderer Infrastruktur, das Aufbringen eines neuen Daches und einiges mehr.
„Zehn bis 14 Monate pro Bauabschnitt haben sich als realistisch erwiesen“, erläutert Colin Becker und fügt doch noch ein kleines „wenn“ hinzu. Denn Corona hat schon einige Planungen über den Haufen geworfen. „Und das in verschiedener Hinsicht. Es sind Menschen aus anderen Ländern beschäftigt, für die auch kurzfristig komplizierte Einreisebedingungen und zusätzliche Testungen gelten können. Außerdem organisieren wir uns im Haus und auf den Baustellen immer nach den neuesten Corona-Schutzbestimmungen, und das hängt mitunter mit Einschränkungen zusammen. Und dann ist auch noch die derzeitige Knappheit an Baumaterialien ein schwer einschätzbarer Faktor, der auch auf Corona zurückzuführen ist“, führt der Einrichtungsleiter aus. Nebenbei sei da auch noch der „ganz normale Wahnsinn“ bei Sanierungen im Bestand, Leitungen die nirgends eingezeichnet sind und auf die man stößt und vieles mehr. Die Zusammenarbeit mit Bauherrin Vonovia sei bei diesen Herausforderungen „ausgezeichnet“.
Die Senior*innen zeigen viel Geduld mit dem Umbau ihrer Wohnstätte. Alle müssen mindestens ein Mal während der Bauphase innerhalb des Hauses umziehen, denn das Prinzip ist, dass immer diejenigen in den als letztes sanierten Gebäudeteil ziehen, deren Domizile als nächstes umgebaut werden. „Wir wollten den Menschen einfach nur jeweils einen Umzug zumuten, die allermeisten möchten dann auch in ihren Zimmern bleiben, wenn sie schon einmal umgezogen sind“, sagt Colin Becker. Die älteren Damen und Herren werden jedoch nicht nur „aufgescheucht“, sie müssen auch mitunter Lärm und Dreck ertragen. AWO Geschäftsführer Oliver Kern: „Als AWO können wir uns nur für die Störungen entschuldigen und die tolle Kooperation bei unseren Bewohnerinnen und Bewohnern sowie deren Angehörigen bedanken. Das tun wir auch bei unserem Team, denn nur durch deren Geduld und Flexibilität ist ein Umbau im laufenden Betrieb überhaupt zu meistern.“