Erzählcafé schlägt Bogen von der Zinkwanne bis zu Medikamenten im Trinkwasser
Dass es bei den beliebten Erzählcafés der AWO nicht nur um das Aufarbeiten von Erinnerungen aus alten Zeiten geht, bei denen Senioren ihre Kindheit noch einmal Revue passieren lassen, das bewies jetzt wieder einmal die Buchautorin und Heimatforscherin Brigitte Böcker. Bei ihrem gut besuchten Café bei der AWO in Bergerhausen schaffte es die Seniorentrainerin den Bogen zu schlagen von Erlebnissen in der Familien-Zinkbadewanne bis zur aktuellen Problematik, Medikamente in Kläranlagen herauszufiltern.
„Hygiene einst und jetzt“ lautete der Titel des AWO-Erzählcafés im Bergerhauser AWO-Heim an der Weserstraße. Es begann wie erwartet. Da schilderte der AWO Ortsvereinsvorsitzende und Entertainer Erni Broszik in launiger Weise, wie der kleine Ernst einst in der Krayer Bergbausiedlung als erster in die Wanne durfte: „Alle wurden im selben Wasser gebadet. Der Opa, der als letzter in die Wanne kam hatte bei uns Glück, denn wir hatten nur ein Kind. Bei Familien mit sechs oder sieben Kindern sah das Wasser und Opas Hals dann schon etwas trüber aus.“
Mühelos führte Brigitte Böcker dann das Gespräch in die Neuzeit, denn sie hatte zwei Gäste eingeladen. Claudia Haferkamp von der Stadt Essen und Andrea Holte von der Emschergenossenschaft stellten das Projekt „Essen macht’s klar“ vor, an dem auch die Essener AWO aktiv beteiligt ist. Ziel der gemeinsamen Aktion, die inzwischen viele Partner gefunden hat, ist die Vermeidung von Medikamentenrückständen im Wasser. Neben der immer feineren Filtration in Klärwerken ist die Vermeidung von Medikamenten im Abwasser die wirkungsvollste Strategie zur Sauberhaltung des wichtigen Lebensmittels Wasser. Darin sind sich weltweit die Experten einig.
Die beiden Expertinnen schilderten anschaulich, welch unerwünschte Nebenwirkungen Medikamente im Trinkwasser haben könnten. Viele Medizin-Bestandteile stellen Kläranlagen vor schier unlösbare Aufgaben. Deshalb gehören, so die Expertinnen, zum Beispiel nicht mehr benötigte Tabletten auf keinem Fall in die Toilette. Im lebhaften Gespräch mit den Vertreterinnen von Stadt und Emschergenossenschaft erfuhren die Besucher des AWO-Erzählcafés auch, dass sogar zu dick aufgetragene Salben beim Duschen den Weg ins Abwasser finden und dort unerwünschte Nebenwirkungen entfalten können.
Nach der lebendigen Diskussion, die von der Vergangenheit bis in die Zukunft reichte freute sich die Leiterin des Bergerhauser AWO Seniorenclubs Maria Fischer: „Das war mal ein Gesprächsthema, das sich buchstäblich gewaschen hat.“







