AWO-Mittwochsgespräch: Kontroverse Debatte zur KiBiz-Reform
"KiBiz-Reform im Dialog: Chancen, Herausforderungen und Perspektiven für die frühe Bildung"
Beim gut besuchten AWO-Mittwochsgespräch, moderiert von AWO-Vorstand Oliver Kern, stand die geplante Reform des Kinderbildungsgesetzes NRW im Mittelpunkt einer intensiven und teils kontroversen Diskussion. Auf dem Podium: Gönül Eğlence (GRÜNE), Fabian Schrumpf (CDU) und Frank Müller (SPD).
Zum Auftakt machte Andreas Lischka, Referatsleiter AWO Kita, deutlich, wie angespannt die Lage in den Einrichtungen ist. Pädagogische Fachkräfte gingen längst über ihre Belastungsgrenzen hinaus, die steigenden Krankheitszahlen und insbesondere psychische Erkrankungen seien Ausdruck einer dauerhaften Überforderung im System. Mit Blick auf politische Ankündigungen zum Bürokratieabbau stellte er pointiert fest: „Der Bürokratie-Hengst wiehert weiterhin laut.“
Für Gönül Eğlence steht bei der Reform im Vordergrund, Qualität zu sichern, Mitarbeitende zu entlasten und Kindern bestmögliche Bildungsbedingungen zu bieten. Sie betonte, dass Flexibilität nicht zulasten der Qualität gehen dürfe und verwies darauf, dass die geplanten Änderungen der Regierungsparteien und NRW_Familienministerin Schäffer bereits eine Reaktion auf die anhaltende öffentliche Kritik seien.
Auch Fabian Schrumpf hob hervor, dass die Landesregierung nachgebessert habe und weiterhin an Verlässlichkeit und Qualität arbeite. Gleichzeitig machte er deutlich, dass größere strukturelle Reformen – etwa bei der Finanzierung – aktuell an finanziellen Grenzen aufgrund der vielen Krisen in Europa und der Welt scheiterten. Man werde aber auch nach VErabschiedung des Entwurfes weiter am KiBiz arbeiten und etwa Finanzierungsfragen wie die Kindpauschalen angehen.
Frank Müller stellte dagegen die grundsätzliche Systemfrage und äußerte Zweifel, ob das bestehende KiBiz noch reformierbar ist. Aus seiner Sicht brauche es ein komplett neues Gesetz für die frühkindliche Bildung im Land.
Zugleich kritisierte er das Tempo der Reform und warnte davor, dass zentrale Probleme weiterhin ungelöst blieben. Konflikte entstünden nicht auf politischer Ebene, sondern würden in den Einrichtungen ausgetragen – und damit auf dem Rücken der Fachkräfte. Zudem bemängelte er fehlende Antworten der Regierungsparteien etwa beim Kinderschutz, bei der Aufsichtspflicht und bei der Frage, woher die Ergänzungskräfte für die Randzeitenbetreuung kommen sollen.
Insgesamt zeigte die Veranstaltung eindrücklich, wie groß die Herausforderungen im System sind – und wie unterschiedlich die politischen Lösungsansätze ausfallen. Zahlreiche konstruktive Fragen und Beiträge aus dem gut besuchten Publikum unterstrichen den hohen Diskussionsbedarf. Einig waren sich alle Beteiligten: Der Handlungsdruck ist groß, tragfähige Lösungen werden dringend benötigt und deshalb müsse ein ganz neues Gesetz her.





