„Meine Erwartungen wurden übertroffen“
Erzieherin Sejla Turulja Rakovac aus Madrid hat eine Woche lang bei der AWO hospitiert. Wir sprachen mit ihr und der Kita-Leiterin Christina Schneider über die Hospitation

„Willkommen im Kindergarten“: So heißt ein Programm der Bundesagentur für Arbeit zur Gewinnung von ausländischen Fachkräften im Kita-Bereich und so hieß es auch vergangene Woche bei der AWO Essen. Im Zuge des Programmes begrüßte der Kreisverband Essen drei spanische Erzieherinnen, die eine Woche in AWO Kitas hospitierten, viel Freizeit miteinander verbrachten und auch ein bisschen die Stadt kennenlernen konnten. Jeder der drei Damen wurde eine Kita-Leitung aus Essen an die Seite gestellt. Wir sprachen mit Hospitantin Sejla Turulja Rakovac aus Madrid und der AWO Kita-Leiterin Christina Schneider.
Frau Rakovac, wie war Ihre Woche?
S. Rakovac: Genial. In der Kita sein, die Kolleginnen kennenlernen, sich mit den Kindern zu beschäftigen: Das hat alles sehr viel Spaß gemacht. Das ,Willkommen‘ bei der AWO war super.
Wie sah Organisation und Programm aus?
C. Schneider: Unsere Gäste waren vier Tage in Essen. Wir haben die Transfers von und zum Bahnhof bzw. Flughafen übernommen. Alle Hospitantinnen waren in anderen Kitas untergebracht, in jeder der Kitas war auch eine Person von uns vor Ort, die übersetzen konnte. Frau Rakovac konnte in unserer ABC-Kita in alle Gruppen hereinschnuppern, das war mir sehr wichtig. Zudem haben alle Hospitantinnen jeweils die Kitas der anderen beiden besucht, sodass sie verschiedene Einrichtungen von innen sehen konnten. Und es gab ein Freizeitprogramm mit u.a. gemeinsamen Essen gehen, einer Stadtrundfahrt, einem Ausflug nach Zollverein und so weiter. Wir haben sehr viel als Gruppe miteinander unternommen. Es war eine tolle und aufregende Woche.
Frau Rukovac, haben sich Ihre Erwartungen erfüllt?
S. Rukovac: Meine Erwartungen wurden übertroffen. Ich hatte gedacht, der Umgang ist viel formeller und distanzierter. Das war überhaupt nicht der Fall. Zwischen den Kolleginnen und Kollegen wird sich mit ,Du‘ angesprochen. Zudem waren alle sehr geduldig. Und die Kinder waren total neugierig, wollten auch immer wieder wissen, wie dies oder jenes auf Spanisch heißt.
Wie unterscheidet sich die Arbeit in der Kita in Deutschland und in Spanien?
S. Rukovac: In Spanien ist vieles viel starrer und reglementierter. Ich gebe ein Beispiel aus meiner Heimatstadt Madrid: Hier hatte ich auch mit Drei- bis Sechsjährigen zu tun. Das entspricht den ,Colegios‘, die sind häufig schon in Gebäuden der Grundschule untergebracht. Und da gibt es strikte Vorgaben, etwa das Schlafen für alle Kinder zwischen 13 und 15 Uhr und vorgegebene Lehr- und Stundenpläne.
C. Schneider: Bei uns wird viel mehr auf die Individualität des einzelnen Kindes geschaut und das Programm nach dessen Bedürfnissen gestaltet. Das ist uns sehr wichtig. Und wir stecken bestimmt kein Kind ins Bett, wenn es gar nicht schlafen will.
Frau Rukovac, wie fällt Ihr Resümee aus?
S. Rukovac: Ich hatte vorher den Wunsch, in einer Einrichtung zu arbeiten, die es besser macht, als in Spanien üblich. Die habe ich gefunden, das deutsche System in der Kinderbetreuung gefällt mir viel besser. Mein Wunsch ist klar: Ich möchte gerne nach Deutschland kommen und hier arbeiten.