Hilfe für Kinder und Jugendliche spielt hier die erste Geige

Die Teams im Horst-Radtke-Haus der AWO kümmern sich schwerpunktmäßig um den Nachwuchs im Norden

Hilfe für Kinder und Jugendliche sowie deren Familien in mitunter schwierigen Lebensverhältnissen zieht sich wie ein roter Faden durch das politische und berufliche Wirken des im Jahr 2017 verstorbenen ehemaligen Landtagsabgeordneten und Geschäftsführers der Essener AWO, Horst Radtke. Insofern war der Entschluss, das neue Sozialzentrum der AWO im Norden Essens „Horst-Radtke-Haus“ (HRH) zu nennen, sehr folgerichtig.

Zwar befindet sich in den ehemaligen Aldi-Räumlichkeiten an der Krablerstraße auch das AWO Zentrum 60plus International und eine Außenstelle der Schuldnerhilfe. Der Schwerpunkt liegt aber bei Diensten der AWO, die sich um die junge(n) Generation(en) und ihre Familien kümmern. Vor drei Jahren sind die Teams vom Jugendhilfenetzwerk, Jugendhilfe und Schule inklusive der Lernförderung und der Kriminalprävention im Bezirk V eingezogen. Das Thema „Kinder“ vervollständigt das Kindermobil der Essener AWO, das durch die Brost-Stiftung und den Club Kohlenwäsche gefördert wird. Daneben werden hier auch die analogen Angebote für den Bezirk VI koordiniert, zusätzliche Anlaufstelle für den täglichen Einsatz im Nachbarbezirk ist dann das Katernberger Büro am Ottenkämperweg.

„Wir sind hier in Altenessen ganz prima angekommen. Der Standort hat sich etabliert“, berichtet Andreas Klink, Abteilungsleiter Jugend und Leiter des Jugendhilfenetzwerks. Nadine Schmidt, Mitglied des Leitungsteams im Jugendhilfenetzwerk, ergänzt: „Unser Horst-Radtke-Haus ist zu einem Ort der Begegnung geworden, jeder soll sich hier willkommen fühlen.“ Franziska Beck, ebenfalls Mitglied im Leitungsteam im Jugendhilfe Netzwerk, führt aus: „Wir nutzen unser Außengelände auch gerne für Feste, zu denen wir die Familien einladen, mit denen wir zusammenarbeiten. Und natürlich die Kinder und Jugendlichen aus den Präventionsangeboten oder von der Schulsozialarbeit.“ Insgesamt vier Mal im Jahr wird an der Krablerstraße groß gefeiert, u.a. beim Fest der Vielfalt oder beim Sommerfest.

Auf dem Außenbereich ist eine Spielfläche entstanden, die auch die Nachbarskinder gerne nutzen. Vor nicht langer Zeit haben noch 15 Unternehmensberater*innen von ThyssenKrupp im Rahmen ihres „Social Days“ ehrenamtlich einen Teil der alten Parkfläche durch farbenfrohe Motive aufgewertet und die durch Schmierereien verunstalteten Garagentore mit rot-weißen Streifen versehen. Hier lagern u.a. Spiel-Materialien für die Kinder. Pflanzkübel und Hochbeete bringen nicht nur Farbe und Leben auf die asphaltierte Fläche, sondern sind auch Teil verschiedener Aktionen des Hauses.

Im Multifunktionsraum des Horst-Radtke-Hauses gibt es im Winter ein Kraftsportangebot, regelmäßig trifft sich an der Krablerstraße auch eine Spielgruppe. Verschiedene Workshops werden hier angeboten, etwa ein Tanzprojekt für Grundschulkinder oder auch  - thematisch ernster gelagert und an Mütter und Väter gerichtet – Angebote zum Thema „Häusliche Gewalt“. Noch mehr? Das Horst-Radtke-Haus ist auch so etwas wie ein Schutzraum, in dem in entspannter Atmosphäre Gespräche geführt werden können. Nadine Schmidt vom Jugendhilfenetzwerk nennt ein Beispiel: „Eine Mutter kocht hier in Ruhe Essen mit ihrem Sohn, parallel werden Gespräche geführt.“ Doch letztlich ist der Ort, an dem man mit den Kindern, Jugendlichen und Familien zusammenkommt, zweitrangig. Victoria Gütthoff vom Bereich Jugendhilfe und Schule: „Unsere Unterstützungsangebote sind so unterschiedlich, wie die Familien selbst.“

Hilfe in Krisensituationen, Beratungen zu den Themen Gesundheitssystem, Erziehung oder familiäre Gewalt sind nur einige der vielen Ansatzpunkte, mit denen die Sozialarbeiter*innen ihr „Feld beackern“. Franziska Beck vom Jugendhilfenetzwerk: „Ein großer Schwerpunkt liegt aktuell bei der Frage, wie sich die älteren Kinder von ihrer Familie abnabeln. Und bei vielen Kindern und Jugendlichen geht es immer noch darum, die Folgen aus der Coronazeit aufzuarbeiten.“ Doch es geht auch über die direkten und akuten Probleme hinaus. Im Projekt „Miteinander leben“ sucht man etwa das Gespräch über Themen wie „Demokratie“ mit Kindern, Jugendlichen und deren Familien. Andreas Klink: „Wir tragen auch mit dazu bei, dass Sozialräume gestaltet werden.“

Ein großer Teil der Arbeit der verschiedenen Teams der Krablerstraße findet außerhalb des Horst-Radtke-Hauses statt. Andreas Klink berichtet: „Von hier aus nehmen wir unsere diversen Aufgaben im Norden wahr.“ Und die sind vielfältig, führen in zehn Grundschulen und fünf weiterführende Schulen in den beiden Bezirken (V und VI), in die Familien oder auch an ganz andere Orte, an denen sich die „Kundschaft“ aufhält. Das Kindermobil bricht auf in verschiedene Stadtteile, zwei Kollegen in der Kriminalpräventionen sind als Streetworker unterwegs und insbesondere in diesem Arbeitsbereich ist auch die Netzwerkarbeit mit Jugendamt, Polizei, Ordnungsamt, Jugendhilfe im Strafverfahren, Schulen oder anderen Institutionen ein wichtiger Bestandteil der Arbeit. Ganz wichtig ist für die AWO Teams der Partner Stadt Essen, respektive das Jugendamt. „Ohne das Jugendamt könnten wir unsere Arbeit gar nicht machen. Das betrifft sowohl die finanzielle Basis für die allermeisten Projekte als auch die sehr gute Kooperation mit den Kolleginnen und Kollegen des Jugendamtes“, sagt Andreas Klink. „Daneben unterstützen einige Sponsoren unsere Arbeit, sowohl mit kleinen monatlichen Privatspenden als auch mit größeren Summen, sowohl aus dem Essener Süden, wie der Club Kohlenwäsche, als auch direkt vor Ort, wie der Freundeskreis der Familie Stauder“, ergänzt Victoria Gütthoff. „Insbesondere unsere unterschiedlichen präventiven Bewegungsangebote für Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 6 und 16 Jahren profitieren sehr von diesen Spenden, da sie uns beispielsweise jährliche Ferienfreizeiten ermöglichen.“

Richtet man den Blick vom Haben auf den Mangel, dann werden die Gesichter der Kolleg*innen ernst. Der organisatorische Aufwand des Bereiches Lernförderung werde durch die unzureichende Finanzierung ebenso wenig aufgefangen, wie die Schulsozialarbeit durch das Land NRW ausreichend finanziert. Andreas Klink: „Die Herausforderungen werden nicht weniger, sondern wachsen kontinuierlich an. Hier wünschen wir uns eine größere finanzielle Sicherheit für so manche Angebote. Nach Corona gab es ein großes Bewusstsein für den Beitrag, den insbesondere der gesamte soziale Sektor für das friedliche Zusammenleben der Menschen leistet - verbunden mit der Hoffnung auf eine bessere Ausstattung auf allen Ebenen. Diese Hoffnung hat sich leider nicht erfüllt und heute sehen wir eher, dass die Kommunen bei der Erfüllung ihrer vielfältigen sozialen Aufgaben nicht angemessen unterstützt werden. Und dies wirkt sich dann unmittelbar auf unsere Angebote aus.“ Dennoch bleibt das Team im Horst-Radtke-Haus und in der Dependance am Ottenkämperweg im Katernberg optimistisch und geht die täglichen Herausforderungen mit großem Engagement und ebenso großer Überzeugung an. 

Autor*in Markus Grenz
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