Kein Land für Niemand?: Mehr als 100 Gäste bei Filmvorführung

AWO Niederrhein und AWO Essen hatten eingeladen – mit Podiumsdiskussion

Das Thema bewegt: Mehr als 100 Gäste kamen zur Filmvorführung „Kein Land für Niemand – Abschottung eines Einwanderungslandes“ ins Rüttenscheider „Filmstudio Glückauf“. Eingeladen hatten der AWO Bezirksverband Niederrhein und der AWO Kreisverband Essen. Sehr angeregt war auch die abschließende Diskussion mit Regisseur Maik Lüdemann, Maike Kratz (SOS Humanity – zivile Seenotrettungsorganisation) und Achim Gerhard-Kemper (Seebrücke und ProAsyl/Flüchtlingsrat Essen). Unterstützung kam von der Crew des „Filmstudios“.

Der Film zeigt die Folgen der zunehmend restriktiven europäischen und deutschen Migrations- und Asylpolitik und macht eindrucksvoll sichtbar, wie eng individuelle Fluchtgeschichten, politische Entscheidungen und gesellschaftliche Debatten miteinander verflochten sind - und wie weit der Diskurs darüber nach rechts gerückt wurde. „Als Wohlfahrtsverbände sehen wir es als unsere zentrale Aufgabe, auf diese Entwicklungen aufmerksam zu machen und Raum für eine differenzierte Auseinandersetzung zu schaffen", betonte Hanimgül Ilhan (AWO Kreisverband Essen) zur Eröffnung.

Dies gelang nicht nur durch den emotional aufwühlenden Dokumentarfilm, sondern auch durch ein intensives anschließendes Publikumsgespräch mit Gästen aus Zivilgesellschaft und Seenotrettung. Auf dem Podium berichtete Regisseur Maik Lüdemann von der Entstehung des Films. Die Dreharbeiten hätten bei ihm die Frage aufgeworfen: „Wenn für manche Menschen Rechte so außer Kraft gesetzt werden wie für Geflüchtete - woher soll man dann wissen, dass das nicht irgendwann auch einem selbst passiert?“ Mit Maike Kratz nahm zudem ein ehrenamtliches Crewmitglied von SOS Humanity teil, einem zivilen Seenotrettungsschiff, das seit 2015 an der Rettung von Zehntausenden Menschen im Mittelmeer beteiligt ist. „Wir wollen mit der SOS Humanity mehr Menschlichkeit aufs Mittelmeer bringen. Wir könnten auch noch mehr Menschen retten, aber das ist politisch nicht gewollt", kritisierte die Studentin. Für Achim Gerhard Kemper, der sich ehrenamtlich bei ProAsyl und Seebrücke Essen engagiert, machte der Film eindrücklich deutlich, warum er sich vor Ort für Geflüchtete einsetzt. „Man kann nicht mehr sitzen bleiben und nichts tun, wenn man sieht, was im Mittelmeer und in den Flüchtlingslagern passiert“, begründete der ehemalige Pfarrer sein Engagement.

Benötigt werden legale Wege der Einwanderung, humane und rechtlich sichere Prüfungswege für Asylgesuche und einiges mehr – so zentrale Forderungen der AWO. Die Präsidiumsvorsitzende des AWO Bezirksverbandes Niederrhein, Britta Altenkamp: „Diese Veranstaltung findet vor dem Hintergrund einer politischen Stimmung statt, in der migrationskritische und ablehnende Haltungen lauter werden und ein deutlicher Rechtsruck öffentliche Debatten wie politische Entscheidungen prägt“, resümierte sie. Zugleich zeige die gut besuchte Veranstaltung mit ihrer offenen Diskussion, „wie viele Menschen es gibt, die ihr Herz noch nicht zugemacht haben und denen das Schicksal von schutzsuchenden Menschen nicht egal ist". Man müsse sich nun ,unterhaken‘ und gemeinsam für eine gerechte und solidarische Migrationspolitik kämpfen.


Wer die zivile Seenotrettung auf dem Mittelmeer unterstützen will, findet Infos hier: https://www.awointernational.de/unsere-arbeit/aktuelles/seenotrettung-im-mittelmeer/fragen-und-antworten-zur-seenotrettung-im-mittelmeer.

Autor*in Andreas Wiemers / Markus Grenz
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