Aktionstag fordert mehr Geld für Pflegeseminare vom Land
„Im fachpraktischen Unterricht müssen wir das Setzen von subkutanen Injektionen meist an Schwämmen trainieren, denn für alle Schüler reicht die eine Übungspuppe einfach nicht aus. Für weitere Puppen ist kein Geld da. Möchten Sie von einer Pflegekraft eine Spritze bekommen, die bisher nur an Schwämmen geübt hat?“ Der angehende Altenpfleger gibt die Antwort gleich selbst: „Ich möchte das nicht!“ Mit einem gemeinsamen Aktionstag haben jetzt das Bildungszentrum Altenpflege der AWO (BAA) und die Katholische Schule für Pflegeberufe (KKS) auf die chronische Unterfinanzierung des Unterrichtsbetriebs aufmerksam gemacht.
Und beide Einrichtungen sehen mehr als pessimistisch in die Zukunft, was die einschneidende Reform der Pflegeausbildung anbetrifft, die im Jahr 2020 starten soll.
Gereon Unnebrink, Referatsleiter für Altenpflege bei der Essener AWO fordert sofort eine deutliche Erhöhung der Landesbeiträge: „Zur Zeit bezahlt NRW 280 Euro monatlich für jeden Auszubildenden in der Altenpflege. Das reicht schon jetzt nicht aus. Um die Anforderungen der neuen generalistischen Pflegeausbildung schultern zu können, brauchen wir sofort 490 Euro pro Monat, und das möglichst rückwirkend.“ Das unterstützt neben den Vertretern des Evangelischen Fachseminars Altenpflege, des AWO Fachseminars Oberhausen und der KKS, die beim Aktionstag mitmachten, auch Essens Sozialdezernent Peter Renzel: „Wir brauchen dringend junge Menschen, die sich auf das Abenteuer Pflege einlassen. Deshalb sind gut ausgestattete und ausreichend finanzierte Fachseminare für die Stadt unverzichtbar!“
Was man mit einer besseren finanziellen Ausstattung leisten kann, und wie sich Unterfinanzierung auswirkt, das demonstrierten das BAA und die KKS am Aktionstag.
Beide Einrichtungen liegen im Eltingsviertel nur wenige hundert Meter voneinander entfernt – und doch liegen Welten zwischen beiden Schulen. Die AWO Einrichtung bildet ausschließlich im schlecht finanzierten Altenpflege-Bereich aus, die Katholische Schule vereint den Bereich Altenpflege und die besser finanzierte Ausbildung für die Krankenpflege unter einem Dach. So können beide KKS-Bereiche im fachpraktischen Teil des Unterrichts an hochmodernen Pflegebetten mit mehreren neuen Patienten-Puppen zum Beispiel an mehreren Körperstellen unter realistischen Bedingungen subkutane Injektionen üben. Bei entsprechenden Demonstrations-Übungseinheiten am BAA und KKS wurden den Teilnehmern die Unterschiede deutlich.
Und doch zogen und ziehen Mitarbeiter und Schüler beider Einrichtungen deutlich sichtbar an einem Strang, wenn es um die Zukunftssicherung für ihre Ausbildung geht. Der kurze Weg von einer zur anderen Schule geriet zum kleinen aber gut sichtbaren Demonstrationszug für eine bessere Finanzierung der Pflegeausbildung.
Diese Eindrücke will Sozialdezernent Peter Renzel in einem Brief verarbeiten, den er spätestens am Montag dem zuständigen NRW-Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales, Karl-Josef Laumann zuleiten will: Ich werde den Minister auch persönlich an sprechen und mich für die Sache der Pflege einsetzen.
Bei der anschließenden Diskussion, an der als einzige der eingeladenen Essener Landtagspolitiker Britta Altenkamp von der SPD teilnahm, wurde noch einmal deutlich gemacht, dass schon jetzt Investitionen nötig seien, um auf die gestiegenen Anforderungen der neuen Pflegeausbildung reagieren zu können. Ab dem Jahr 2020 werden zukünftige Alten-, Kranken- und Kinderpflegekräfte weitgehend gemeinsam ausgebildet. Erst in einem späteren Teil wird dann differenziert. Allein, um das bessere zahlenmäßige Schüler-Lehrer-Verhältnis zu erreichen, müssen jetzt schon Fachlehrer ausgebildet und eingestellt werden.
Über die Landesgrenzen geschaut:
In Schleswig-Holstein hat man bereits reagiert. Die Landesförderung von Altenpflegeschulen wurde dort von 310 €/Monat und Schüler auf 450 € rückwirkend als Nachtragshaushalt ab dem 1. Januar 2018 angehoben:






