Hitze in Pflegeheimen
Wie die AWO Essen ihre Bewohner*innen schützt

Wer verantwortlich für das Wohlergehen von älteren Menschen ist, den stellen die immer längeren und stärkeren Hitzeperioden vor Herausforderungen. Das gilt insbesondere für die Betreiber*innen von Pflegeheimen. In den insgesamt sechs Einrichtungen der stationären Pflege im AWO Kreisverband Essen, dem Friedrich-Ebert-Zentrum in Altenessen, dem Louise-Schröder-Zentrum im Katernberg, dem Kurt-Schumacher-Zentrum in Überruhr, dem Marie-Juchacz-Haus in Haarzopf, dem Otto-Hue-Haus in Holsterhausen und dem Gotthard-Daniels in Rüttenscheid ist man vorbereitet. Dann greift ein ausführliches Konzept zum Umgang mit Hitzeperioden. AWO Vorständin Claudia Osterholt stellt fest: „Es ist völlig klar, dass der Schutz unserer Bewohnerinnen und Bewohner an allererster Stelle stehen muss.“
Damit die Verantwortlichen in den Häusern frühzeitig reagieren können, sind die Einrichtungen direkt mit dem Deutschen Wetterdienst vernetzt. Hitzewarnungen werden umgehend in die verschiedenen Bereiche der Einrichtungen weitergeleitet, ebenso an die Angehörigen. Das Thema kommt in den internen Teamsitzungen an die oberste Stelle der Tagesordnung.
Inhaltlich hat die AWO Essen ein ganzes Bündel an Maßnahmen entwickelt, die dann zum Tragen kommen. Zunächst einmal sind die Teams angehalten, ganz genau ihre Senior*innen im Blick zu behalten und auf Anzeichen von Hyperthermie (Überhitzung) zu achten. Die Symptome reichen von Schwindel über Übelkeit, aschgraue oder weißliche Hautfärbung bis hin zu Muskelkrämpfen oder hochrotem Kopf und vielem mehr. Bei starker Symptomatik wird umgehend der Notarzt verständigt.
Die Liste der vorbeugenden Maßnahmen im Hitzeschutz-Konzept ist lang, hier können nur Auszüge genannt werden. So arbeiten die Kolleg*innen etwa mit einem besonderen Lüftungskonzept für die Bewohner*innen-Zimmer morgens und abends. Die Temperaturentwicklung in den Innenräumen wird mit Hilfe von Thermometern regelmäßig überprüft. Ein starkes Augenmerk wird darauf gelegt, dass die Senior*innen ausreichend Flüssigkeit (idealerweise zwei bis drei Liter am Tag) zu sich nehmen, gegebenenfalls mit Unterstützung des Personals. Dafür stehen in allen Etagen in den Häusern verschiedene Gratis-Getränke – nicht nur Mineralwasser – bereit, auch für die Mitarbeiter*innen. Erfrischungen durch Armbäder und feuchte Tücher oder kühlende Waschungen werden angeboten. Bei besonders gefährdeten Bewohner*innen wird regelmäßig die Körpertemperatur kontrolliert. Die Bekleidung der Senior*innen wird mit deren Einverständnis den Temperaturen möglichst luftdurchlässig angepasst. Wer die Außenanlagen nutzen möchte, der wird mit Sonnencreme und luftdurchlässiger Kopfbedeckung versorgt und aufgefordert, schattige Plätze aufzusuchen – hier werden auch die Angehörigen, Besucher*innen und Betreuer*innen mit einbezogen. Körperliche Belastungen bei Betreuungsangeboten werden, in Absprache mit dem Sozialdienst, reduziert und alternative Beschäftigungen angeboten.
Auch auf dem Essen liegt ein starkes Augenmerk. Bei Hitzewellen passt das Küchenteam kurzfristig die Speisepläne an, etwa durch besonders leichte Kost mit viel Obst, Salat und Gemüse. Kalte Süßspeisen wie Eis oder gefrorene Götterspeise wird gereicht. Es wird ausreichend mineralische Kost wie salzhaltige Speisen (z.B. Gemüsebrühen) oder Knabbergebäck angeboten.
AWO Vorständin Claudia Osterholt: „Unsere Einrichtungen geben ihr Bestes, um die Belastung durch hohe Temperaturen für Bewohnerinnen und Bewohner und die Mitarbeitenden so weit wie möglich zu reduzieren. Doch es gibt viel mehr zu tun! Wir brauchen ein entschlossenes Handeln von Seiten der Regierung und fordern insbesondere vorrauschauende Investitionen in Hitzeanpassung und eine konsequente Berücksichtigung von Klimaschutzmaßnahmen in der Finanzierung sozialer Dienstleistungen!“