Eine Heimat für Strategie- und Sammelkarten-Freaks: Das Julius-Leber-Haus der AWO
Bürgerhaus in Kray/Leithe ist ein Kessel Buntes. Gruppe spielt regelmäßig „Magic The Gathering“ und veranstaltet bald Turnier
Das Julius-Leber-Haus der AWO in Kray/Leithe vereint unterschiedlichste Menschen unter einem Dach. Mütter, die regelmäßig Trödelmärkte organisieren, Mitglieder des AWO Ortsvereins Kray, Manga- und Cosplay-Fans, Seniorinnen, die das regelmäßige Mittagessen besuchen, W-Lan-Freunde, Tangobegeisterte und so weiter, und so weiter. Um eine weitere spannende Seite erweitern sechs Strategie- und Sammelkarten-Freaks den bunten Reigen an der Meistersingerstraße 50: Sie treffen sich hier alle zwei Wochen, um das weltweit erste und mit circa 35 Millionen Spielerinnen (Wikipedia) auch das wohl erfolgreichste Sammelkartenspiel/Trading Card Game (TCG) zu zocken: „Magic The Gathering“. Am Sonntag, 25. Oktober, Check-in ab 10.30 Uhr, laden sie zum offenen Turnier „Pauper With Purpose“. Der Reinerlös kommt der Essener Notschlafstelle „Raum 58“ zugute.
Wer sich mit Mike Niederstebruch über sein Steckenpferd unterhält, der versteht erstmal nur Bahnhof. Von „Decks“ ist da die Rede, von „Tokens“, „Mana“ und „Mill“, „Blinken“ oder „Flickern“, „Rummaging“ und da ist auch noch dies ominöse „Pauper“. Unter anderem. Man merkt schnell: eine ganz eigene Subkultur. „Aber eine große“, unterstreicht der 39-Jährige, den die „Sucht“ im Alter von zwölf Jahren das erste Mal gepackt und die er vor rund sechs Jahren wiederentdeckt hat: „Magic The Gathering ist ein Strategie-Spiel mit Fantasy-Inhalten, das mit Karten ausgespielt wird. Man spielt in der Rolle von Magiern gegeneinander. Davon gibt es verschieden komplexe Varianten für ab zwei Spielerinnen und Spieler. Einer der einsteigerfreundlicheren Version ist ,Pauper‘. Ziel ist es, den Gegner mit den eigenen Karten und Strategien zu besiegen – meist, indem man seine Lebenspunkte auf null reduziert.“ Na also, geht doch!
1993 auf den Markt gebracht, lag der Fokus vor allem auf Rollenspieler oder Studenten, die zwischen zwei Vorlesungen ein wenig Ablenkung suchten. Doch das Fantasy-Strategiespiel trat schnell eine globale Erfolgsgeschichte an. Im Jahr 2011 wurden Karten in elf Sprachen gedruckt. Spielvarianten, die mitunter auch recht kostspieligen „Decks“ (Karten) und vor allem die Anhängerschaft sind seit den Anfangsjahren quasi explodiert. Mittlerweile hält der amerikanische Spielriese Hasbro die Rechte. Strategische Tiefe, Sammelleidenschaft, ständige Innovation, Abwechslung und nicht zuletzt eine lebendige Community: Dies sind sicherlich einige – wenn nicht die – Zutaten, die die Mischung über Jahrzehnte so erfolgreich gemacht haben. Deutschland ist neben den USA eines der Länder mit der größten Fangemeinde. „Ich nehme an, dass wir hierzulande über 100.000 aktive Spielerinnen und Spieler haben“, berichtet Mike.
Die sind oft real in kleineren Spiele-Gruppen rund um lokale Spiele-Shops organisiert, digital angedockt jedoch häufig in größeren Communities. Mike selbst hat seine eigene kleine „Gathering-Bubble“. Er selbst war im Alter von zwölf Jahren Spieler wenn nicht der ersten, dann auf jeden Fall einer sehr frühen Stunde. Dann kam irgendwann das Leben, die Prioritäten änderten sich und die „Decks“ wanderten in den Keller. Aus dem sie viele Jahre später, vor sechs Jahren, der damals 33-Jährige wieder hervorkramte. Schnell fand er Kontakt zu seiner „Gathering-Bubble“ über WhatsApp, 20 bis 30 Personen in seinem Alter aus Essen und Umgebung, die sich regelmäßig austauschen. Ein Teil von ihnen zockte bis 2025 regelmäßig im Spieleladen „Spielbasis Ruhr“ in Steele. Als der schloss, war guter Rat teuer. Über seine Kinder und deren Parkour-Training hatte er Kontakt zum Julius-Leber-Haus und schnell war eine Lösung gefunden. Seitdem ist die „Magic The Gathering“-Gruppe ein weiterer bunter Mosaikstein an der Meistersingerstraße. „Wir treffen uns in jeder geraden Woche dienstags ab 17 Uhr mit bis zu 12 Spielerinnen und Spielern. Interessierte, Anfänger oder auch Fortgeschrittene sind jederzeit willkommen. Die Magic-the-Gathering-Community ist eine sehr offene, bei uns muss man nicht mal sein eigenes ,Deck‘ mitbringen.“
Mike Niederstebruch hat für sein Steckenpferd wieder richtig Feuer gefangen. Nebenberuflich stellt der IT-Fachmann mit verschiedenen 3D-Druckern und Lasern Zubehör wie Deckboxen oder Lebenspunktezähler her, die er über die Internetplattform „Etsy“ vertreibt. Und hat mit einigen Mitgliedern seiner „Julius-Bubble“ die Veranstaltergemeinschaft „Untap! Upkeep! Donate!“ – wieder so ein Magic-the-Gathering-Insider – gegründet. Das Turnier „Pauper with Purpose“ ist deren erster Streich. Und soll auch nicht der letzte sein.
Das „Magic The Gathering“-Turnier „Pauper with Purpose“ findet statt am Sonntag, 25. Oktober, im AWO Julius-Leber-Haus an der Meistersingerstraße 50 in Kray/Leithe. Der Check-in startet um 10.30 Uhr, bis 11.45 Uhr müssen alle Spieler*innen eingecheckt sein. Die Teilnahme kostet 10 Euro zuzüglich Gebühren im Vorverkauf über die Internetplattform eventfrog.de. Ein Ticket an der Tageskasse kostet 13 Euro. Zu gewinnen gibt es massig Zubehör aus dem „Gathering“-Universum. Infos unter pauperwithpurpose.de. Der Reinerlös geht an die Essener Notschlafstelle für Jugendliche „Raum 58“.


