Schuldnerhilfe: Die Wirtschaft boomt, die Schulden steigen

Bei der Regulierung von Schulden in Höhe von rund 11 Millionen Euro konnte die Schuldnerhilfe Essen gGmbH im Jahr 2017 Essener Haushalten erfolgreich helfen. Knapp 2.500 Personen wurden 2017 durch die Schuldnerhilfe, einer Tochtergesellschaft der AWO Essen, beraten. Das ist im Vergleich zum Vorjahr noch einmal eine Steigerung von 1,4 Prozent.

Damit spiegelt die Arbeit der Beratungsstelle die finanzielle Schieflage vieler Bürger in Essen wider. Über 68.000 Essener sind überschuldet und dauerhaft zahlungsunfähig. Die Überschuldungsquote ist im vergangenen Jahr erneut angestiegen, so weist es der Schuldneratlas der Creditrefrom aus. Neben der akuten Unterstützung hat sich die Schuldnerhilfe auch die Präventionsarbeit bei jungen Menschen zur Aufgabe gemacht.
Bei der Übergabe ihres aktuellen Berichts an Oberbürgermeister Thomas Kufen am 11. Mai 2018 erläuterten Vertreter der Schuldnerhilfe die Situation überschuldeter Menschen, die Fallzahlen und die Arbeitsschwerpunkte des Jahres 2017.
Der Anteil massiv finanziell in Not geratener Essener ist damit auf den neuen Höchstwert von 13,76% der Bürgerinnen und Bürger über 18 Jahre gestiegen.
Genau 2.464 Haushalte wurden im vergangenen Jahr durch die Schuldnerhilfe Essen beraten (+1,4), in 348 Fällen wurde ein Insolvenzantrag beim Amtsgericht Essen gestellt. Damit war die Beratungsstelle im vergangenen Jahr erneut voll ausgelastet, die hohen Fallzahlen der Vorjahre stiegen erneut leicht an.
Die Daten machen deutlich, dass die allgemein gute Stimmung in der Wirtschaft und am Arbeitsmarkt bisher keine positive Wirkung auf die Verschuldungssituation der Privathaushalte hat. Der Konsum wird angekurbelt durch günstige Finanzierungsmöglichkeiten und Kleinkredite für Verbraucher ohne vorheriger Finanzauskunft. Viele Menschen verlieren vor diesem Hintergrund die Kontrolle über ihr Konsumverhalten und den Überblick über ihre Finanzsituation. Neben den Konsumschulden sind Arbeitslosigkeit, gesundheitliche Probleme oder ein geringes Haushaltseinkommen die Hauptursachen für die Überschuldung der Ratsuchenden in der Essener Beratungsstelle.
„In der Beratungspraxis machen wir die Erfahrung, dass die Ratsuchenden häufig viel zu spät unser Angebot in Anspruch nehmen“ sagt Philipp Hennen, Geschäftsführer der Schuldnerhilfe Essen gGmbH. Meist ist die Privatinsolvenz dann der einzige Ausweg aus der Überschuldung. Mit neuen Beratungsansätzen versucht die Schuldnerhilfe Essen jetzt die Ratsuchenden früher zu erreichen, z.B. indem Beratungsangebote vor Ort bei Kooperationspartnern wie dem Job-Center Essen durchgeführt werden. „Wir hoffen so die Menschen frühzeitig bei der Regelung ihrer Finanzprobleme unterstützen zu können um negative gesundheitliche oder psychische Folgen der Überschuldung zu vermeiden“, so Hennen.
Ein weiterer Schwerpunkt der Schuldnerhilfe liegt im Bereich der finanziellen Bildung für Jugendliche und junge Erwachsene in Essen. Über 1100 Jugendliche nahmen im vergangenen Jahr an Bildungsangebote an Schulen und in Jugendeinrichtungen teil. Um die Zahl der erreichten jungen Menschen zu erhöhen, überarbeitet die Schuldnerhilfe nun ihr Präventionskonzept. Ziel ist es, Fachkräfte aus Schulen und Jugendhilfeeinrichtung bei der Durchführung eigener Angebote zur finanziellen Bildung zu unterstützen. Dafür entwickelt die Schuldnerhilfe aktuelle Materialien und Unterrichtskonzepte und bietet Fortbildungen für interessierte Fachkräfte an.
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„Wir freuen uns, die Schuldnerhilfe Essen bei der Weiterentwicklung ihrer Bildungsangebote durch Fördermittel aus der Präventionsoffensive der Stadt Essen unterstützten zu können“ ergänzt Thomas Kufen. Auch die klassische Beratungsarbeit der Schuldnerhilfe, die allen Bürgerinnen und Bürgern in Essen offensteht, leiste bereits seit Jahren eine sehr gute Arbeit. Besonders begrüßenswert seien jetzt die neuen Kooperations- und Beratungszusammenhänge der Schuldnerhilfe Essen, die das Angebot der Beratungsstelle im Sinne der Ratsuchenden weiterqualifizieren.

Autor Peter Marnitz
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