Gutes Essen kennt keine Grenzen

Es ist geschafft, die rund 10 syrischen Frauen, die sich vor mehr als einem Jahr zum Deutschkurs im Julius-Leber-Haus trafen, halten jetzt ihr eigenes selbst entwickelte Kochbuch in den Händen. Stolz präsentieren sie das Druckwerk mit dem Titel „Gutes Essen kennt keine Grenzen“, das mehr als nur eine Rezeptsammlung ist.

Das Buch, das ab sofort im Julius-Leber-Haus der AWO zu bekommen ist, beschreibt auch die Heimatstädte der geflüchteten Frauen und gibt Auskunft über ihre persönlichen Schicksale. Im Mittelpunkt stehen natürlich die Rezepte und die Koch-Ergebnisse, die vorab auf farbigen Bildern für Appetit sorgen sollen.

Sie haben ganz unterschiedliche Schicksale, sie kommen aus verschiedenen Gegenden und sie unterscheiden sich in ihren bisherigen beruflichen Laufbahnen. Was die im Buch vorgestellten Frauen aus Syrien eint, ist der Verlust der Heimat und die große Liebe zu gutem Essen. Eher zufällig trafen sich die geflüchteten Frauen bei einem Deutschkurs im Julius-Leber-Haus der AWO. Man büffelte gemeinsam Vokabeln, machte erste Versuche im Umgang mit der fremden Sprache und gab sogar Interviews. Soweit unterschieden sich die Frauen nicht von anderen Menschen, die als Geflüchtete in einem fremden Land einen Neuanfang versuchten.

Die Entdeckung, dass es im Bürgerhaus der AWO in Essen-Leithe eine gut eingerichtete Küche gibt, setzte eine Entwicklung in Gang, in deren Verlauf dieses Kochbuch entstand und die aus Deutsch-Schülerinnen Koch-Lehreinnen machte.

Wenn man die Frauen am Herd erlebt, ihnen bei den Kochvorbereitungen zuschaut und dabei ihr lauten Lachen hört, und später die Köstlichkeiten probieren darf, spürt man, dass gutes Essen keine Nationalitäten kennt und dass gute Küche völkerverbindend sein kann.

 

Inzwischen, nach vielen gemeinsamen Deutsch- und Kochstunden sind die syrischen Frauen in ihren neuen Heimat Essen angekommen und sind dabei, aktiv ihre Schicksale in die eigene Hand zu nehmen.

Aus dem Gefühl heraus, sich in diese Gesellschaft einzubringen und eine Brücke zwischen dem alten und dem neuen Leben zu schlagen, entstand das Kochbuch.  Mit Rezepten aus der ehemaligen Heimat wollen die Köchinnen in der neuen Heimat für glückliche kulinarische Erlebnisse sorgen. Welche Geheimnisse die syrische Küche bietet, kann man nicht nur in diesem Buch erfahren, denn die Autorinnen haben inzwischen einige Kochkurse in der Küche des Julius-Leber-Hauses gegeben. Dort, wo alles mit einem ersten Deutschkurs begann. An der Meistersingerstraße lädt das AWO-Bürgerhaus auch regelmäßig zum Arabischen Frühstücksbuffett ein, das von den syrischen Frauen zubereitet wird. Die nächsten Termine sind im Jahr 2019 der 21. Februar, 21. März, 18. April, 18. Juli, 15. August, 19. September, 17. Oktober und 21. November. Los geht es immer um 9 Uhr, das Frühstück kostet 5 Euro.

 

An dem Kochbuch beteiligt waren neben den syrischen Frauen Jürgen Zips-Zimmermann (Idee und Realisation), Rokan Dalaf und Peter Marnitz (Redaktion, Texte und Fotos) sowie Joscha Riedl (Gestaltung und Layout).

Gefördert wurde das Projekt durch den Regionalverband Ruhr, Interkultur Ruhr, die Allbau-Stiftung und die Arbeiterwohlfahrt Essen.

Autor Peter Marnitz
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