Ältester Seniorenclub Essens trifft sich seit 55 Jahren

Nein, nur Kaffee trinken und reden, das kommt für den AWO Seniorenclub Bergerhausen und seine quirlige Leiterin Maria Fischer nicht in Frage: „Bei uns gibt es immer ein Programm. Da sind wir sehr anspruchsvoll!“ Mit seinem Gründungsjahr 1963 ist der Club, der sich seit Beginn im AWO Heim an der Weserstraße 82 trifft, der älteste noch existierende Seniorenclub weit und breit. Im Vereinsregister wurde der Zusammenschluss älterer AWO-Mitglieder, der unter anderem von Erna Loos initiiert wurde, als „Heim der offenen Tür für alte Menschen“ eingetragen.

Knapp 50 Mitglieder hat der  Club heute in seiner Kartei, wöchentlich sind es meist 25 bis 30 Mitglieder die sich im großen Saal an der Weserstraße treffen. Seit 1993 hat Maria Fischer die Fäden in der Hand, sorgt für die Organisation und hält die Bücher in Ordnung. „Ich war gerade 60, als man mich bat, hier übergangsweise den Vorsitz zu übernehmen. Nun bin ich im 85. Lebensjahr und mache das immer noch – und zwar gern!“

Woche für Woche wird ein Programm für den gemeinsamen Mittwochnachmittag organisiert. Jetzt im Advent kommt der AWO Ortsvereinsvorsitzende Erni Broszik in seiner  Eigenschaft als Musiker, Sänger und Entertainer zu den älteren Damen und wenigen Herrn. Bergbau-Weihnacht mit Dönekes und alten Liedern steht auf dem Programm. Sehr zur Freude des Publikums, das sich als ziemlich textsicher erweist.

Auf dem Programm stehen sonst im Wechsel Lichtbild-Vorträge, Gedächtnistraining, Quiz und Spiele, Brigitte Böckers Erzählcafé, Mandala und ab dem nächsten Jahr auch Sitzgymnastik.

Highlights der Club-Geschichte war unter anderem ein Auftritt der legendären „Missfits“ im April 2000. Der kam auf verblüffende Weise unkompliziert und vor allen Dingen kostenlos zu Stande. Maria Fischer: „Ich habe einfach mal beim Management angerufen und gefragt, ob die auch bei einem Seniorenclub der AWO spielen würden. Kurze Zeit später war der Termin klar und die Damen haben tatsächlich kostenlos für uns gespielt. Dafür bin ich Stephanie Überall und Gerburg Jahnke noch heute dankbar!“ Auch der Essener Schauspieler, Heinz-Erhard-Rezitator und Humor-Bischof Thomas Glup hatte schon an der Weserstraße die Lacher auf seiner Seite.

In früheren Jahren, als die „alten Menschen“ noch jünger waren, war der Club äußerst reisefreudig. So gibt es rund um das Mittelmeer kaum ein Land, das die Senioren aus Bergerhausen nicht  erobert hätten. Heute sind es mehr Tagesausflüge und Referate über ferne Länder, die zumindest die geistige Mobilität erhalten.

Langeweile, da sind sich die Senioren einig, kommt bei uns nicht so schnell auf. Das wöchentliche Mittwochs-Training für die grauen Zellen scheint auch körperlich fit zu halten, denn vielen der regelmäßigen Gäste sieht man nicht an, dass sie den 80. Geburtstag schon lange hinter sich haben.

Autor Peter Marnitz
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