10 Jahre Seniorenbus in Karnap

Der Tag in Karnap beginnt wie jeder Donnerstag. Der AWO Bus kurvt durch die ruhigen Wohnstraßen des Stadtteils, holt vorwiegend ältere Damen vor der Haustür ab und fährt sie zu Supermärkten der Umgebung. Nach dem Einkauf geht es für die Passagierinnen dann zurück nach Hause, wo der Busfahrer oder sein Beifahrer dann den Einkauf bis vor die Haustür oder auch direkt in die Küche trägt. Dieser Donnerstag ist trotzdem etwas besonderes, denn das Karnaper Seniorenbus-Projekt feiert den 10. Geburtstag und an diesem Jubiläumstag wird auch gleich ein nagelneuer AWO-Bus auf die Reise geschickt.

Dank der großzügigen Unterstützung der Essener Elisabeth-Wagener-Stiftung konnte die AWO ein behindertengerechtes Fahrzeug anschaffen, das ausschließlich für Seniorenfahrten in Karnap und Frintrop eingesetzt wird. Am Steuer des neuen Busses sitzt Olaf Hellmecke, der heute zwei Beifahrer hat. Zum einen Gerd Klose aus dem achtköpfigen Seniorenbus-Team und AWO Geschäftsführer Oliver Kern, der heute die ganze Schicht als helfende Hand begleitet.

Die gehbehinderte Ilona freut sich, als sie als erster Fahrgast im Westen des Stadtteils mit tätiger Hilfe im neuen Bus Platz nimmt: „Da kommt man ja viel besser rein, der hat ja eine richtige Stufe!“ Und zum vorweihnachtlichen Dank für das ehrenamtliche Busfahrer-Team hat sie extra Plätzchen gebacken und festlich verpackt. In der ersten Fahrpause wird das Gebäck noch ausdrücklich gelobt.

An gut 500 Tagen waren die ehrenamtlichen Busfahrer in den letzten 10 Jahren unterwegs. Je nach Bedarf der Fahrgäste kamen pro Senioren-Bustag rund 40 bis 80 gefahrene Kilometer auf den Tacho. Das schweißt zusammen. Nicht nur zwischen den älteren Damen und den Fahrern, die auch nicht mehr im Twen-Alter sind, herrscht ein locker, freundlicher Ton, auch das Team selbst ist zu einem Freundeskreis zusammengewachsen.

Das wird bei der kleinen Feier deutlich, die für die ehrenamtlichen Fahrer, für die Vertreter der Elisabeth-Wagner-Stiftung und schließlich auch für die Nutzerinnen und Nutzer des Seniorenbusses im Karnaper AWO-Treffpunkt in der Seniorenbegegnungsstätte am Markt ausgerichtet wird. Der AWO Seniorenclub mit Inge Havermann und ihrem Team hat eine Kaffeetafel vorbereitet.

Zeit für Olaf Hellmecke und Peter Scharschmidt, sich an die Anfänge der Initiative zu erinnern. Scharschmidt und Hellmecke, beide schon pensioniert, sind seit den Anfängen im Jahr 2008 dabei: „Wir waren und sind noch immer ein Freundeskreis von vorwiegend gelernten Bergleuten und unternehmen immer viel gemeinsam. Damals, 2008,  beklagten vor allen Dingen ältere Menschen, dass es am Karnaper Markt keine Einkaufsmöglichkeiten mehr gebe und es einfach zu weit zu den Discountern am Ortsrand war. Das waren alles Leute, in deren Gärten wir schon als Kinder gespielt haben, denen wir als kleine Jungs auch Streiche gespielt haben. Da mussten wir einfach helfen.“

Auf dem Weg von der Idee bis zur „Senioren-Buslinie“ kam dann die AWO ins Spiel. Über private Verbindungen fragte man beim Essener Kreisverband an und stieß mit der Idee auf offene Ohren. Mit nur minimaler Bürokratie wurde die Einigung erzielt und seither holt der Karnaper Freundeskreis an jedem Donnerstag den AWO-Bus vom Anneliese-Brost-Zentrum ab. Für den Einsatzplan bedürfe es keiner großen Organisation, so Scharschmidt: „Wir regeln das untereinander.“

Am Steuer wechseln sich in der Regel acht ehrenamtliche Fahrer und Beifahrer ab, die alle eine gemeinsame Geschichte und viel soziales Engagement eint. Der Freundeskreis unternimmt inzwischen auch viele gemeinsame Freizeit-Aktivitäten. So radelten die Karnaper im Sommer den Ruhrtalweg von der Quelle bis zur Mündung ab. Weitere Touren sind in Planung.

Dieses ehrenamtliche Engagement, so betonte es Oliver Kern in seiner kleinen Ansprache, mache erst den Wert einer Gesellschaft aus: „Das wollen wir als AWO nach Kräften unterstützen. Es dient schließlich den Menschen! Sehr wichtig ist auch, dass ehrenamtliche Organisationen wie die Elisabeth-Wagner-Stiftung so ein Projekt durch finanzielles Engagement auf Dauer möglich machen! Dafür danke ich dem Stiftungs-Vorstand mit Dr. Degenhard Merkle, Gerd Ohletz und Josef Schwarzhof.“

Zum aktuellen ehrenamtlichen Fahrerteam gehören: Olaf Hellmecke, Peter Scharschmidt, Gerd Klose, Detlev Venjakob, Udo Matthäus, Wolfgang Neumann. Mehmet Tarhan und Thomas Lambertz.

Autor Peter Marnitz
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