Zum 90. Geburtstag blieb das Motorrad in der Garage

Er ist charmant, singt und feiert gerne, fährt noch immer leidenschaftlich Motorrad und hat in diesen Tagen seinen 90. Geburtstag gefeiert. Seit mehr als 20 Jahren ist Karl-Heinz Naujokat, den alle nur „Poldi“ rufen, aus dem Rüttenscheider AWO-Seniorenclub nicht wegzudenken. So war es für den äußerst rüstigen Jubilar auch selbstverständlich, mit seinen Freundinnen und Freunden in den AWO-Clubräumen im Gotthard-Daniels-Haus an der Katharinenstraße zu feiern. Ausnahmsweise saß „Poldi“ einmal nicht an seiner selbst gebauten elektronischen Orgel, um die Gäste zu unterhalten. Diesmal wurde er selbst mit Auszügen aus dem Repertoire der „Herbstzeitlosen“, mit Liedern des Ruhr-Revue-Sängers und AWO-Mitarbeiters Karl-Heinz Freudenberg und mit einigen Ständchen der Gäste unterhalten.

Schon Anfang der 1990er Jahre sorgte der Jubilar mit seinen „(P)oldi-Singers“, für Stimmung in Rüttenscheid und auch in anderen AWO-Seniorenclubs. Es war für ihn nach einem äußerst bewegten Berufsleben der Einstieg in den „Unruhestand“, wie er sein Rentnerleben selbst beschreibt.

1942 begann seine Lehre zum Vermessungstechniker. Nach dem Kriegseinsatz ab 1944 kam er  1945 in das zerstörte Essen zurück und fuhr bis 1947 auf der auf der Zeche Amalie ein. Krankheitsbedingt endete die Arbeit auf der Zeche und er konnte zum Retuscheur (heute Mediengestalter) umschulen. Dann folgte eine Zeit als Berufskraftfahrer und er erwarb Führerscheine fast aller Klassen vom Moped bis zum 30-Tonner. Danach kehrte er zu seinen beruflichen Wurzeln zurück und bekam eine Anstellung als Zeichner beim Vermessungs- und Katasteramt der Stadt Essen.

Bewegte Zeiten hat auch Poldis Ehefrau Edel, mit der er seit 1953 verheiratet ist, miterleben können. Denn neben seiner Liebe zu Land- und Wasserfahrzeugen, ist auch der gut ausgestattete Bastelkeller ein Lieblingsort des rüstigen Rentners. Holzkräne, Modelflugzeuge, Orgeln, „das habe ich alles selbst gebaut“, erzählt Poldi stolz und zeigte dazu die passenden Fotos. Dabei zeigt er gern ein Lausbubengrinsen, wenn er die Geschichten seiner verschiedenen Konstruktionen  erzählt.

Auch um passende Sprüche ist der 90-Jährige nicht verlegen. Nach der Verabschiedung von Bezirksbürgermeister Gerhard Barnscheidt, der ihm die Geburtstagsgrüße der Stadt ausrichtete, kommentierte Poldi trocken: „So, nach dem offiziellen Teil, können wir ja jetzt ordentlich die Sau raus lassen!“

04. September 2017