Zeitschiene hilft der Erinnerung

Oft bedarf es nur kleiner Anstöße, um die Erinnerung zu wecken. Das hat auch Marvin Mellenthin erfahren, als er im Rahmen seines Studiums der Sozialarbeit ein Praktikum im Otto-Hue-Haus der AWO in Holsterhausen absolvierte. „Manchmal reichte e,s ein Bild zu zeigen, und die Gesichter der älteren Menschen hellten sich auf- sie erinnerten sich und es kam ein Gefühl der Sicherheit auf.“ Diese Freude der Senioren ging dem 25-Jährigen nicht aus dem Sinn und er überlegte, wie man auch zukünftig mit Ausflügen in Vergangenheit bei den älteren Menschen für eine positive Stimmung sorgen kann.

Das Ergebnis seiner Überlegungen liegt jetzt vor. Mit viel Engagement entwickelte Mellenthin, der seit seinem Praktikum ehrenamtlich im Otto-Hue-Haus aktiv ist, ein Erinnerungs-Quiz mit gut zwei Dutzend Karten und eine Zeitschiene die den Weg Essens von der Stiftsgründung bis zur Grünen Hauptstadt auf rund zwei Metern komprimiert. Die ersten Praxistests haben die Erinnerungshilfen in dem AWO-Pflegeheim schon mit Erfolg bestanden.

Die Quiz-Karten im Din A5-Format zeigen auf der einen Seite Fotos von Personen, Straßen, Dingen oder Szenen aus der Vergangenheit. Da finden sich der VW-Käfer, Konrad Adenauer, der Grugaturm, Willy Brandts Kniefall oder Neil Armstrong, der erste Mensch auf dem Mond, und viele andere Motive. Auf der Rückseite der ordentlich laminierten Karten gibt es die jeweiligen Erklärungen zu den Fotos. „Gerade die Menschen mit dementiellen Einschränkungen leben auf, wenn sie Dinge aus der Vergangenheit wiedererkennen und einordnen können. Das gibt ihnen ein Gefühl der Zufriedenheit und sie fühlen sich wohler“ beschreibt  Marvin Mellenthien die Erfahrungen mit den Quizkarten: „Beim Suchen der richtigen Bilder und der entsprechenden Recherche habe ich auch einiges dazugelernt und es hat mir Spaß gemacht.“

Zu zeitlichen Einordnung und zur Förderung der Heimatgefühls dient auch die „Zeitschiene der Stadt Essen“ die an einem zentralen Platz des Wohnbereichs ihren Platz gefunden hat. Das ist nicht nur ein Erinnerungspunkt für die Bewohner, auch Gäste bleiben, so die Mitarbeiter des AWO-Heims, gern vor der komprimierten Geschichtslektion zur Entwicklung der Stadt Essen stehen.

16. Oktober 2017