Vom Deutschkurs zum selbst geschriebenen Kochbuch

Lautes Lachen dringt aus dem Untergeschoss des Julius-Leber-Hauses der AWO. Folgt man den fröhlichen Tönen, steigt einem exotischer Essensduft in die Nase und man landet in der Küche des Bürgerhauses. Fast ein Dutzend Damen sorgen dort gerade für buchstäblich buntes Leben. In einer Mischung aus arabisch und deutsch rufen sich die Köchinnen Anweisungen zu. Darunter muss sich mancher Scherz befinden, denn immer wieder lachen alle gemeinsam. Es sind syrische Flüchtlingsfrauen die einmal im Monat die Küche an der Meistersingerstraße mit arabischen Wohlgerüchten füllen. So unterschiedlich ihre Schicksale sind, so eint sie der Wunsch Deutsch zu lernen – und der Spaß am gemeinsamen Kochen. Nach einigen erfolgreich gezauberten arabischen Menüs und mit zunehmender Redegewandtheit in der für alle fremden Sprache, haben sie jetzt die Idee entwickelt, ihre Rezepte, die sie aus der Erinnerung an den heimischen Herd in Damaskus, Homs oder Aleppo hier kochen, aufzuschreiben und zwar in deutscher Sprache für ihre neue Heimat.  Ihnen schwebt nicht eine lockere Rezeptsammlung vor, ein professionelles Kochbuch mit bunten Bildern wäre toll, so Neven Khattab, die in Syrien Apothekerin war.
Zusammengefunden haben sich die ambitionierten Köchinnen bei einem Deutschkurs, den das Julius-Leber-Haus für die Frauen, die teilweise noch keinen offiziell anerkannten Flüchtlingsstatus haben, organisiert hat. Dazu gelang es, Inge Winstroer als Lehrerin zu gewinnen, die jetzt zweimal wöchentlich für Fortschritte sorgt. Inzwischen können die Frauen Alltagssituationen auf Deutsch meistern und auch in dieser für sie fremden Sprache über ihr jeweiliges Schicksal berichten.  Da ist zum Beispiel Rasha, die sich hier allein mit ihren drei Kindern eingewöhnen muss. An ihre neue Rolle als Schülerin muss sich auch Sherin gewöhnen, die vor gut einem Jahr noch als Englischlehrerin in Syrien tätig war.
Ob Lehrerin, Studentin, Hausfrau oder Apothekerin, am Freitagnachmittag geht es nur um das richtige Gewürz und die korrekte Zubereitung von „Mandi“ einem würzigen Hähnchengericht mit Reis Mandeln und Gemüse. Jede Phase des Kochens wird mit Fotos dokumentiert, es soll ja ein buntes Kochbuch werden. Dafür und für die ersten Notizen zu den Rezepten ist Rokan Dalaf zuständig. Die Lehramts-Studentin mit syrischen Wurzeln und arabischen Sprachkenntnissen ist pädagogische Honorarkraft der AWO und unterstützt in diesem Fall die Kochgruppe auch mit Übersetzungen, wenn die deutsche Ausdrucksfähigkeit der Köchinnen noch nicht für die richtige Formulierung ausreicht. Schließlich sind die Flüchtlingsfrauen teilweise ja erst  seit ein paar Monaten in Deutschland. Neven Khattab ist mit ihren schon für die kurze Zeit weit fortgeschrittenen Deutsch-Kenntnissen ein wenig die Sprecherin der syrischen Koch-Gruppe geworden: „Wir wollen unserer neuen Heimat zeigen, wie interessant unsere Küche ist. Da soll das Kochbuch helfen.“
Es wäre nicht das erste Kochbuch, das im Julius-Leber-Haus entstanden ist. So wurde dank der Hilfe von Sponsoren aus einem Kochkurs für ältere Menschen ein gebundenes Kochbuch mit Rezepten für Senioren. Nun sucht man im Julius-Leber-Haus nach Möglichkeiten, dass der heitere arabische Kochnachmittag auch seine leckeren Spuren im Bücherschrank hinterlässt.

13. Februar 2017