Krimi-Lesung auf dem Parkplatz des Louise-Schroeder-Sozialzentrums

Er schaffte es, mörderische Texte in der Kirche zu lesen, Mick Jagger, Martin Luther und sich in Beziehung zu bringen und er weiß köstliche Anekdoten von nicht ganz so bürgerlichen Beerdigungen zu erzählen. Dass Steffen Hunder nicht nur Pfarrer der evangelischen Essener Altstadt-Gemeinde sondern auch ein bekannter Krimi-Autor ist, das erfuhren jetzt in einer lauen Sommernacht die Besucher der ersten Open-Air-Autorenlesung in Katernberg. Der Freundeskreis der Bücherei Katernberg hatte zusammen mit dem Louise-Schroeder-Zentrum der AWO zu diesem ungewöhnlichen Ereignis eingeladen. Im 20. Jahr seines Bestehens ging der Freundeskreis buchstäblich auf die Straße und verwandelte den Parkplatz des AWO-Heims an der Alten Kirchstraße in eine Außenstelle der Stadtteil-Bibliothek. Die Vorbereitungen, die die Vorsitzende Sigrid Schönberger und ihr Team geleistet hatten, waren nicht umsonst.

Rund 50 Besucher bevölkerten bei kühlen Getränken und Knabbereien den Parkplatz und lauschten nicht nur den humorvoll vorgetragenen Krimi-Passagen von Steffen Hunder. Mehr als nur musikalische Begleitung lieferte dazu Erni Broszik mit seinem Akkordeon. Der aus der Ruhrpott-Revue bekannte Unterhalter animierte die Zuhörer zum Mitsingen, was nicht nur beim obligatorischen Steigerlied gut klappte.

Ebenso gut im Griff hatte auch Steffen Hunder sein Publikum. Es waren nicht nur seine vorgelesenen Texte, die  den Sommerabend am „Louise“ zu einem Vergnügen machten, es waren auch die Anekdoten aus dem Leben des Pfarrers, die für viele Lacher und manchen Zwischenapplaus sorgten. Die Erzählung von der Beerdigung einer Essener Kiezgröße mit Champagner auf dem Sarg, bewaffneten Trauergästen und einem Beweis von Ganovenehre dürfte bei den meisten Besuchern lange in Erinnerung bleiben. Dabei genießen auch die kriminalistischen Texte in der Fachwelt hohes Ansehen, denn Hunder ist Mitglied im Syndikat, der Autorengruppe deutscher Kriminal-Literatur. Bei seiner Aufnahme in die Gruppe organisierte er im Jahr 2000 in der Kreuzeskirche die erste Krimi-Lesung  in einem evangelischen Gotteshaus. Damals stimmte auch noch die Gemeinsamkeit mit Martin Luther und Mick Jagger, denn zu diesem Zeitpunkt hatte jeder der Genannten sechs Kinder. Der  Rolling-Stones-Sänger habe sich, so Steffen Hunder, familiär inzwischen aber weiterentwickelt.

11. Juli 2017