Die große Liebe im AWO-Seniorenclub gefunden

Sie treffen sich jeden Donnerstag, um Bingo zu spielen, Vorträgen zu lauschen, sich zu unterhalten – oder, um sich zu verlieben. Dass man in einem AWO-Seniorenclub nicht allein seinen Alltag bestreiten muss und viel Geselligkeit erlebt, das ist allgemein bekannt. Dass man aber auch, wie jetzt im Seniorenclub Altendorf der AWO im Alter noch einen Partner fürs Leben findet, ist eher die Ausnahme. Auch Irmgard Elspass, die seit vielen Jahren den Club leitet, der sich immer donnerstags ab 13.30 Uhr in den AWO-Räumen an der Unterdorfstraße 19a trifft, hat etwas ähnliches noch nicht erlebt.
Andere Besucher haben es gar nicht so mitbekommen, dass es mächtig gefunkt hat, als sich Margit Menges und Heinz-Werner Dolata beim Seniorennachmittag begegneten. „Das hat nicht nur gefunkt, das hat schon richtig geblitzt“, erinnert sich der ehemalige Schmied an den Moment, als er die pensionierte Buchhändlerin das erste Mal in gemütlicher Runde erblickte. Man glaubt es beiden, dass es sie auch im Alter von gut 80 Jahren noch erwischt hat wie die Teenager. Händchen haltend genießen beide, die vor rund fünf Jahren jeweils ihre Partner verloren, nicht nur die Donnerstage bei der AWO zusammen. „So oft es geht, sind wir zusammen. Ohne Werner geht es einfach nicht mehr“, beteuert Margit Menges und lächelt ihren Partner mit einem dahin schmelzenden Blick an. Auch sechzig Jahre jüngere Menschen können sich nicht inniger verhalten, wenn die Liebe auf den ersten Blick ihre Wirkung entfaltet
Aber auch die anderen 25 bis 30 Gäste, die sich oft bis in den Abend in den Altendorfer AWO-Räumen treffen, machen einen fröhlichen Eindruck, wenn sie sich am Spieltisch mit Kaffee, Saft, Bier und auch mal einem Eierlikörchen zuprosten.
„Wir geben uns immer viel Mühe, ein abwechslungsreiches Programm auf die Beine zu stellen“, beschreibt Irmgard Elspass ihre ehrenamtliche Arbeit. Langeweile komme so bei den Senioren sicher nicht auf: „Wir singen oft, machen Gymnastik, jetzt hält demnächst ein Polizist einen Vortrag und dann gibt es immer wieder Anlässe zum Feiern. Wer so viel unternimmt, hat auch Hunger und Durst. Das weiß die rührige Clubleiterin aus Erfahrung: „Neben der Organisation sorge ich mit der Unterstützung anderer Ehrenamtler hier auch für die Verpflegung.“ Das beginne meist schon montags und dienstags mit den Einkäufen. Mittwochs werde dann gebacken und am Donnerstagvormittag wird gekocht und für belegte Brötchen gesorgt. „Am Freitag strecke ich dann alle Viere von mir und muss mich ausruhen.“, beschreibt die Senioren-Clubleiterin ihr Woche. Nur ein paar Minuten hat sie bei dem Gespräch gesessen, schon eilt sie wieder durch den Raum, um sich um „ihre“ Senioren zu kümmern – dabei ist sie selbst schon 75. Ehrenamtlicher Einsatz hält offenbar jung.

20. März 2017