„Arm und Reich“ ist Hauptthema beim traditionellen Fischessen der Essener AWO

Wie ein roter Faden zog sich das Thema „Arm und Reich“ durch die Reden, die beim 36. traditionellen Fischessen der AWO am Aschermittwoch für Diskussionen sorgten. Knapp 200 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft waren ins Friedrich-Ebert-Zentrum der AWO gekommen, um nicht nur über die Redebeiträge zu diskutieren, sondern auch das kalte und warme Fischbüffet zu genießen. Bevor der SPD-Bundestagsabgeordnete Dirk Heidenblut die Entwicklung der Gesundheitspolitik auch unter dem Aspekt einer möglichen CDU/SPD-Regierungskoalition zum Thema seines Beitrags machte, zeigten der AWO Kreisvorsitzende Klaus Johannknecht und der Essener Oberbürgermeister Thomas Kufen viele Übereinstimmungen bei der Beurteilung der sozialen Lage in der Stadt. So betonte Kufen, dass die AWO zu Recht immer wieder den Finger in die Wunde lege, wenn es um Fragen der sozialen Gerechtigkeit und Chancengleichheit gehe: „Wir dürfen niemanden zurücklassen und müssen deutlich zeigen, dass keiner aufgegeben wird.“ Klaus Johannknecht bewies in seiner Rede, dass die AWO unter seinem Vorsitz nicht einfach ein sozialer Dienstleister ist, sondern ein politischer Verband, der deutlich seine Positionen formuliere: „Wir haben sechs Kernforderungen, die erfüllt werden müssen, um eine gerechte und lebenswerte Gesellschaft zu entwickeln.“ Das Spektrum reicht dabei von dem wirkungsvollen Kampf gegen Kinder- und Elternarmut über die Forderung nach einer grundlegenden Reform im Kita- und Pflegebereich, bis zu Bedingungen für ein würdiges Leben im Alter.
Der Sozialdemokrat Johannknecht und der Christdemokrat Kufen waren sich einig, dass nur eine gerechte und sozial ausgewogene Gesellschaft die Demokratie erhalten können. Kufen: „Was mir große Sorgen macht ist die Tatsache, dass Rassisten und Spalter Einzug in den Bundestag gefunden haben.“
Auf einem grundsätzlich guten Weg sah Dirk Heidenblut in seiner Aschermittwochs-Festrede die Entwicklung der Gesundheitspolitik in Deutschland. So werde jedes Problem im gerade ausgehandelten Koalitionsvertrag angesprochen und viele Lösungen aufgezeigt: „Der Gesundheitsbereich ist zwar eine große Baustelle, aber es wurde und wird auch viel getan. Die Pflegeberufe-Reform ist zum Beispiel ein guter Baustein, damit wir in diesem Bereich weiterkommen.“ Trotzdem müsse der Bund noch einmal kräftig in die Tasche greifen, um die Situation in der Pflege grundsätzlich zu verbessern.
Dass auch ehrenamtliches Engagement ein wesentlicher und nachhaltiger Baustein für eine lebenswerte Gesellschaft ist, daran erinnerte AWO-Geschäftsführer Oliver Kern. Als Beispiel nannte er die Aktion Weihnachtspäckchen von Ricarda Stauder Brauerfamilie). Mit ihrem Freundeskreis packt sie nicht nur zur Weihnachtszeit Geschenkpakete, die an Kinder verteilt werden, deren Familien sich sonst kaum Geschenke leisten können. Oliver Kern: „Ich habe als Kind einer armen Familie selbst diese Erfahrungen gemacht und denke noch heute an die Wertschätzung, die mit einem solchen Geschenk ausgedrückt wird.“
Auch nach dem offiziellen Teil war „Arm und Reich“ das Gesprächsthema an vielen Tischen. Die Gäste erlebten selten einen so politischen Aschermittwoch bei der Essener AWO.
 

14. Februar 2018