20 Jahre ehrenamtlich zu Fuß unterwegs

Wandergruppe Viele Wege führen zu Ehrenamt. Bei Gerti Graszk war es ein Flyer, auf dem für die Mitarbeit bei der AWO-Wandergruppe geworben wurde. Sie hatte Zeit und wanderte immer schon gerne - so meldete sich die Endfünfzigerin erst einmal ganz unverbindlich. Das war vor 20 Jahren. „Eigentlich hatte ich damals nicht den Plan, so lange dabei zu bleiben, aber es machte mir im Laufe der Zeit so viel Freude, dass ich einfach immer weiter gelaufen bin.“ Bis jetzt! Nach rund 240 Seniorenwanderungen und geschätzten 1300 Kilometern Strecke hat Gerti Graszk jetzt endgültig die Schuhe der AWO-Wanderleiterin an den Nagel gehängt. „Ich möchte mit dem Wanderstock und nicht mit dem Krückstock aufhören“, zieht die bislang dienstälteste ehrenamtliche Wanderleiterin der Essener Arbeiterwohlfahrt einen Schlussstrich unter ihre Laufbahn – mit einem positiven Fazit. „Mir hat es furchtbar viel Spaß gemacht. Es war schön, bei den Wanderungen mit so vielen nette Leuten unterwegs zu sein und dabei meine Heimatstadt erst so richtig kennenzulernen.“
Mit ihr beendete auch Helmut Dittmar, ein weiteres Urgestein auf der Wanderstrecke, seine ehrenamtliche Laufbahn als Wanderleiter bei der AWO. 17 Jahre lang war er nicht nur in Essen zu Fuß unterwegs. „Besonders gefallen haben mir auch die auswärtigen Strecken, zum Beispiel an der Duisburger Seenplatte, aber auch hier an Ruhr und Rhein-Herne-Kanal gibt es tolle Strecken“, erinnert sich der 83-Jährige, der immer noch gern die Wanderschuhe schnürt: „Aber jetzt bin ich nicht mehr schnell genug, um immer voran zu laufen.“
Beide haben rund die Hälfte der Zeit der Wanderinitiative der Essener AWO miterlebt und mitgestaltet. Im letzten Jahr konnte das Projekt der offenen Seniorenarbeit auf eine 40-jährige Geschichte zurückblicken. In dieser Zeit fanden rund 2000 ehrenamtlich geleitete Wanderungen in und um Essen herum, sowie einige gemeinsame Ausflugsfahrten statt.
Bei den Wanderungen stehen das Miteinander, der Kontakt und die Kommunikation im Vordergrund. Und ein Stückchen Heimatkunde wird auch vermittelt. So hat sich Gerti Graszk immer gründlich auf ihre Strecken vorbereitet: „Ich habe systematisch jeden Stadtteil erschlossen und mich auch über die Dinge am Wegesrand informiert, bevor wir auf die Strecke gegangen sind. So haben nicht nur meine Mitwanderer, sondern auch ich profitiert. Ich habe meine Stadt wirklich kennengelernt.“ Auf die Frage, wo sie denn am liebsten unterwegs war, kommt eine verblüffende Antwort: „Am interessantesten ist es im Norden der Stadt, in Altenessen oder Katernberg. Da habe ich den Wandel erlebt und immer etwas Neues gesehen. Da ist die Stadt dynamisch. Der Süden ist schön – aber statisch. Da entwickelt sich wenig.“
Wer auch Essen einmal aus einer ganz anderen Perspektive erleben will, ist eingeladen, einmal das Wanderangebot der AWO zu nutzen. Auch wenn Gerti Graszk und Helmut Dittmar nach dem ehrenamtliche Unruhestand nun nicht mehr aktiv sind, weisen weiterhin sieben Wanderleiter neue Wege durch die Stadt.
So steht zum Beispiel am 2. Februar eine winterliche Wanderung an der Ruhr auf dem Plan. Die Wanderfreunde treffen sich um 13.30 Uhr an der Haltestelle Annental.
Alle Informationen zum Wanderangebot sind in der hauseigenen Wander-Broschüre oder im Kultur-, Bildungs- und Freizeitprogramm des Seniorenreferates der Stadt Essen, sowie im Internet unter www.awo-essen.de abrufbar. Bei den Wanderungen steht das Miteinander, Kontakt und Kommunikation im Vordergrund. Die Wanderungen dauern in der Regel ein bis zwei Stunden.
Wie bei allen ehrenamtlichen AWO-Seniorenangeboten wird auch bei der Wanderinitiative immer wieder neu ehrenamtliche Unterstützung gesucht. Dabei stehen die Ideen und Interessen der Aktiven im Mittelpunkt. Die Wandergruppe der AWO kann für sich in Anspruch nehmen im wahrsten Sinne des Wortes die Menschen in Essen bewegt zu haben. Wer mithelfen möchte, diese Initiative jung zu halten, wende sich bitte an Karlheinz Freudenberg, Tel. 0201 1897-407.

20. Januar 2017