Ehrung für eine bekannte »Unbekannte«

Schüler der Alfred Krupp Schule und das Paul-Gerlach Bildungswerk der AWO Kreisverband Essen ehren Berta Möller-Dostali.

Hildegard Treute und Alfred Ausländer mit einigen Schülern aus dem Geschichtskurs von Sebastian Schmidt vor der Gedenktafel für Berta Möller-Dostali.
Hildegard Treute und Alfred Ausländer mit einigen Schülern aus dem Geschichtskurs von Sebastian Schmidt (rechts) vor der Gedenktafel für Berta Möller-Dostali.

Am Mittwoch, den 6.5.2009, enthüllten die beiden ältesten Mieter der Seniorenwohnanlage "Berta Möller-Dostali-Haus" eine Gedenktafel der Namensgeberin. Diese Tafel ist der Abschlusspunkt einer Forschungsarbeit von 15- und 16-jährigen Schülern des Gymnasiums Alfred-Krupp-Schule in Frohnhausen.

"Helden: verehrt - verkannt - vergessen", so lautet in diesem Jahr das Motto des vom Bundespräsidenten ausgeschriebenen Geschichtswettbewerbs für Schülerinnen und Schüler. Nicht der kriegerische Held vergangener Zeiten soll dabei im Blickpunkt stehen, sondern Menschen, die "Zivilcourage, Tapferkeit und uneigennütziges Handeln" im täglichen Leben gezeigt haben, heißt es in der Ausschreibung.

Berta Möller-Dostali habe er als eine "Frau der Tat", als eine Persönlichkeit, die hellwach und auch mit fast 90 Jahren hoch engagiert war, erinnerte sich AWO-Geschäftsführer Wolf Ambauer in seiner kurzen Ansprache, bevor die beiden ältesten Bewohner des Hauses, die 93-jährige Hildegard Treute und der 94-jährige Alfred Ausländer, die Gedenktafel enthüllten.

Fast 80 Jahre jünger sind Vivien Gohr und Fabian Conradt aus dem Kurs "Geschichte/Politik" des Gymnasiums Alfred-Krupp-Schule in Frohnhausen. Die beiden Neuntklässler stellten den zahlreichen Teilnehmern der kleinen Feierstunde ihr Forschungsprojekt vor und lasen danach abwechselnd den Text der Gedenktafel.

Von Lehrer Sebastian Schmidt, der in diesem Jahr zum dritten Mal eine Klasse aus den engen Bahnen des Unterrichts in die Welt der Quellenforschung geführt hat, kam der Anstoß zur Teilnahme an dem Geschichtswettbewerb. Zwei Eckpunkte hatten die Jungen und Mädchen gleich zu Beginn gesetzt: Sie wollten ihr Augenmerk auf die Nachkriegszeit in Essen richten und das Leben einer Person nachzeichnen, die heutzutage nicht nur Jugendlichen weitgehend unbekannt ist.

Bei einem Besuch des Essener Stadtarchivs erhielten sie den Hinweis auf Berta Möller-Dostali, die, 1909 in Ostpreußen geboren und 1999 in Essen gestorben, von 1969 bis 1979 Bürgermeisterin war und von 1954 an fast 30 Jahre lang die Essener Arbeiterwohlfahrt leitete. Damit erreichte sie eine Position wie nur wenige Frauen in den ersten Jahrzehnten der Bundesrepublik.

Nachdem die Wahl getroffen war, sammelte der Kurs Ideen, wie das Wirken dieser zu Lebzeiten in Essen sehr bekannten Frau erforscht und nachgezeichnet werden konnte. Klassisch war die Archivarbeit anhand von Akten und Büchern, ebenso die Fotorecherche. Doch um ein möglichst facettenreiches Bild zu gewinnen, wollte sich der Kurs damit nicht begnügen. Deshalb führte eine Gruppe Interviews mit zwei Zeitzeuginnen, die von ihren persönlichen Kontakten mit Berta Möller-Dostali zu berichten wussten. Eine weitere Gruppe begleitete die zweimonatige Forschungsarbeit mit einer Videokamera und schuf daraus einen Film, in dem sich Lebensbeschreibung und Forschungsreportage verbinden.

Schließlich entstand auch die Idee einer Gedenktafel. "Wir wollten etwas Einzigartiges", erklärt Fabian Conradt. "Zu Anfang dachten wir an eine Bronzeplatte", fügt er hinzu. Weil aber die Kosten dafür enorm gewesen wären, entschied sich der Kurs für eine deutlich schlichtere, aber nicht weniger eindrucksvolle Lösung, die eine Portraitzeichnung, einen kurzen Text und Bildskizzen aus dem Leben Berta Möller-Dostalis zusammenfügt. Dass dieses Denkmal in dem Haus angebracht wurde, das ihren Namen trägt, lag auf der Hand. Im Gemeinschaftsraum fand sich ein Platz, an dem die Tafel geschützt und gleichzeitig jederzeit präsent angebracht ist.

Unterstützt wurden die Schüler vom Paul-Gerlach-Bildungswerk des AWO-Kreisverbands Essen und dem Hauseigentümer Sahle Wohnen.

Nachdem der Kurs seine Ausarbeitung nebst dem Film im Februar abgeschickt hat, warten nun alle Beteiligten voller Spannung auf die Entscheidung der Jury, die vor den Sommerferien verkündet werden soll.